Kabelmodem im Bridge-Modus erreichen

Wie man sein Kabelmodem auch im Bridge-Modus für den Router erreichbar macht, am Beispiel von MikroTik RouterOS

Zuhause läuft mein Internetzugang über einen Kabelanbieter. Die vom Provider gelieferten Modems verfügen oft über zwei Betriebsmodi namens Router und Bridge. Wie das Modem auch im Bridge-Modus erreicht werden kann, zeige ich im folgenden Beitrag am Beispiel von MikroTik RouterOS.

Der Router-Modus ist dabei die für die meisten Heimanwender ausreichende Variante. Das Modem bezieht seine IP-Adresse, kümmert sich um Firewall, NAT und Routing und stellt ggf. Telefoniefunktionen zur Verfügung. Der große Nachteil daran ist, dass der Betrieb eigener Hardware nicht ganz unproblematisch ist – doppeltes NAT und nur ein /64 IPv6-Präfix laden nicht gerade zu größeren Konfigurationen ein. Dazu kommt, dass viele Provider im Router-Modus keine öffentliche IPv4 mehr zur Verfügung stellen, sondern das Ganze über CGN (Carrier Grade NAT) lösen. Verwandte Schlagwörter in dem Kontext sind DS-Lite, Dual Stack Lite und AFTR.

Zugriff aufs Kabelmodem per Browser
Zugriff aufs Kabelmodem per Browser

Brücken bauen

Im Bridge-Modus hingegen arbeitet das Modem mehr oder weniger transparent und reicht IPv4 und IPv6 an einen dahinter geschalteten Router durch. Oftmals bekommt man noch eine “echte”, d.h. öffentliche IPv4-Adresse und zudem ein /56er IPv6-Präfix, wobei die meisten Anbieter das vertraglich nur noch bei Businesstarifen mit entsprechend aufpreispflichtiger Option garantieren.

Dazu ein Tipp: Die Kabelprovider halten ein einmal angefordertes IPv6-Präfix relativ lange vor. Es ist daher ratsam, sofort mit der ersten Anfrage an den DHCPv6-Server ein entsprechend großes Präfix anzufordern, beispielsweise mit

prefix-hint=::/56

Zur Thematik IPv6 unter RouterOS werde ich aber nochmal einen separaten Blogbeitrag schreiben. ;-)

Gewusst wie

Während beim Betrieb im Router-Modus der Zugriff auf die Weboberfläche des Modems jederzeit möglich ist, beispielsweise um das Gerät zu konfigurieren oder aber die Leitungswerte auszulesen, ist das beim Bridge-Modus nicht ganz so trivial. Manche Modems schalten nach wenigen Minuten die Weboberfläche ganz ab, andere sind regulär erreichbar – wenn man weiß, wie.

Als IP-Adresse für Kabelmodems im Bridge-Modus hat sich die 192.168.100.1 etabliert, unabhängig davon, welches Subnetz im Router-Betrieb konfiguriert war. Dieser Adressbereich sollte für Heimnetzwerke daher auch tunlichst vermieden werden.

Zahlentricks

Um die Adresse vom heimischen Netzwerk aus erreichbar zu machen genügen bei mir folgende drei Schritte:

Zuerst wird dem mit dem Modem verbundenen Netzwerk-Interface eine zusätzliche IP-Adresse im selben Subnetz zugewiesen:

/ip address add address=192.168.100.2/24 interface=ether1 network=192.168.100.0

Die bestehende Zuweisung per DHCP darf nicht gelöscht werden, denn diese stellt die für den Internetzugang erforderliche IP-Adresse bereit – die im obigen Beispiel 192.168.100.2 genannte Adresse wird daher zusätzlich aufgeschaltet.

Danach muss, angepasst an die eigene Firewall-Konfiguration, eine Weiterleitung zur Adresse 192.168.100.1 erlaubt werden:

/ip firewall filter add action=accept chain=forward comment="accept LAN->cable modem" dst-address=192.168.100.1 in-interface=br-cap out-interface=ether1 src-address=192.168.0.0/16

In einem letzten Schritt muss nun noch die Adressumsetzung (NAT) zwischen dem lokalen Netzwerk und der Modem-IP hergestellt werden, ebenfalls wieder angepasst an die eigene Firewall-Konfiguration:

/ip firewall nat add action=masquerade chain=srcnat comment="masquerade LAN->cable modem" dst-address=192.168.100.1 out-interface=ether1 src-address=192.168.0.0/16

Das war’s! Das Modem sollte jetzt von allen Clients erreichbar sein.

Ausblick

Beim Betrieb eigener Modems ist zu beachten, dass diese nicht vom Provider in den Bridge-Modus versetzt werden können, sondern die entsprechende Funktion selbst zur Verfügung stellen müssen. Meinen Nachforschungen zufolge sind die Anbieter frei verfügbarer Geräte am Markt hierbei noch eher zurückhaltend.

Obige Schritte lassen sich übrigens grundsätzlich auch mit anderen Routern bewerkstelligen, beispielsweise mit OpenWRT/LEDE und gelten im Wesentlichen auch für DSL-Modems. Theoretisch lässt sich auf diesem Weg auch ein Kabelmodem im Router-Modus hinter doppeltem NAT ansprechen – lediglich der erste Schritt, das manuelle Zuweisen der IP-Adresse, entfällt in diesem Fall.

Vermutlich gibt es noch einfachere Wege, auf’s Modem zuzugreifen – Obiges erfüllt für mich aber seinen Zweck. Über Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge in den Kommentaren freue ich mich immer!

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 17 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

18 Gedanken zu „Kabelmodem im Bridge-Modus erreichen“

  1. Hallo Florian,

    danke für den Artikel, klappt wunderbar. :)
    Kann ich dann nicht auch meinen NTP Dienst des Mikrotiks nutzen? Habe in meinem Vigor130 die IP Adresse eingegeben, bekomme aber keine Datum/ Zeitangabe zurück. Die Firewall Regel habe ich angepasst -> Accept IN “IP Vigor130” to DST “IP Home Subnet”, Protokoll udp, Port 123.
    Ähnlich wäre doch auch ein Syslog möglich, den ich dann auf dem Vigor130 konfigurieren kann.

    Danke und schöne Ostergrüße, Denis

  2. Normal sollte der Zugriff mit der Default Route zum Gateway funktionieren. Nur das in dem Fall dann dass Modem Antwortet.
    Funktioniert zumindest bei mir so ohne Probleme.

  3. Folgendes ist passiert:
    – Internet unten
    – ein Blick auf den Arris Router zeigt, dass dort MikroTik Software drauf ist ???
    Beim Klick auf den Links GRAPHS werden dort in Tschechisch Links zu Studenten VLANs auf unterschiedlichen Etagen präsentiert.
    Mein erster Gedanke: nun hat die Box jemand gehackt, habe Sie daher sofort ausgeschaltet.
    Nach einer Weile erneut gestartet und die gewohne Oberfläche war wieder da.
    Bilder siehe:
    https://forum.vodafone.de/t5/Internet-Ger%C3%A4te/Arris-Router-zeigt-pl%C3%B6tzlich-MikroTik-Software-an-wurde-er/td-p/2212768

      1. Ne, es ist ein Privathaus und mein Netz kenne ich schon recht gut.
        Welche Kiste mir dann geantwortet hat auf der IP meines Routers … keine Ahnung. Die IP 192.168.0.1 sieht man im Screenshot.
        Habe sofort einen Dauerping auf diese Router-IP laufen lassen und den Router dann ausgeschaltet. Sofort war der PING unten. D.h. ich habe mit der MAC des Routers reden müssen. Wo ich dann aber gelandet bin, das ist mir unklar. Vielleicht hat da KabelDE nachgelagerte Mikrotik Router?

        Möglich wäre es.
        Roman

  4. Hallo,

    ist es verpönt zu danach zu fragen, wie ich das hier vorgestellte Howto auf einem Netgear R7800 Router mit DD-WRT in Verbindung mit einem arris tg3442de Kabelmodem im Bridge Mode umsetzen kann? Wo gebe ich die Befehle ein? In der Oberfläche des Routers unter Administration -> Commands -> Firewall? oder im Startup Script oder per Putty (ssh)? Wär Dir/Euch für einen Schubs in die richtige Richtung dankbar. Vielen Dank schon mal.

    Stefan

  5. Hallo Florian,

    würde folgender Wlan-Router hinter einem Kabelmodem im Bridge-Mode funktionieren ? :

    https://www.tp-link.com/de/home-networking/wifi-router/archer-c6/

    Also wahrscheinlich schon schätze ich, hatte ich gestern bei einem Bekannten angeschlossen. Wie gesagt ist der Kabelrouter (Touchstone TG3442DE) im Bridge-Mode, es kamen aber statt der 500Mbit die auch anliegen, nur 100 an, sowohl Lan als auch Wlan. Vor dem aktivieren des Bridge-Mode’s, kamen Lan über den Kabelrouter 500 an.
    Beim konfigurieren des TP-Link Routers bin ich standartmäßig die Quick-Installation durchgegangen, anschließend paar Sachen am Wlan eingestellt.
    Habe ich den Wlan-Router einfach nur falsch konfiguriert ? Du erwähnst hier NAT, diesbezüglich gibts auf dem Wlan-Router ja auch Einstellungen, die ich einfach mal so belassen hab, vielleicht das mit ein Grund ?
    Naja, nachdem der Wlan-Router aber zu allem auch noch das Wlan deaktivierte, was sich dann auch nicht mehr aktivieren ließ, weder am Gerät selbst noch über die Einstellungsmöglichkeiten in der Software, wird mein Bekannter den Router wieder zurückschicken, vielleicht war der am Ende dann doch etwas zu billig.
    So, jetzt soll ein anderer Wlan-Router her, evtl eine Fritzbox, falls es da ein nicht alzu teures Gerät gibt, was muss da beachtet werden ? Also natürlich brauchts der Wlan-Router Gigabit Lan Ausgänge, was wäre da noch wichtig ? Vor allem, was muß ich dann beim konfigurieren des neuen Routers beachten ?

    Wäre nett wenn du mir da paar Tipps geben könntest !

    Viele Grüße und ein schönes WE ! Michael

    1. Du kannst mal testen, was passiert, wenn du einen PC direkt ans Kabelmodem im Bridge-Mode anschließt (ggf. vorher Kabelmodem neustarten), ob du dann die volle Bandbreite bekommst. Eigentlich sollte der Bridge-Mode da nichts limitieren.

      Beim Router kommt es immer aufs Modell an, wie viel Power das Gerät hat. Alte Geräte kommen mitunter mit den heutigen hohen Bandbreiten nicht mehr zurecht, weil sie einfach zu schwach sind – das von dir genannte Modell kann ich aber nicht näher beurteilen. Ich hab hier aktuell z.B. das Problem, dass mein derzeitiger Router zwar problemlos 500 Mbit/s am Kabelmodem liefert, aber nicht mehr per PPPoE (DSL-“Einwahl”).

      Bei der Wahl des Routers gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich hab immer ganz gern Router und WLAN getrennt in meinen Umgebungen, aber in einem normalen Haushalt sind die integrierten Geräte sicher eine gute Idee – weniger Geräte, ggf. geringerer Stromverbrauch und auch weniger Wartungsaufwand. Ich hab selbst verschiedene Hersteller im Einsatz – ein separates System mit OPNsense, genauso wie MikroTik, genauso wie Ubiquiti, und auch FRITZ!Boxen. Wichtig sind mir langer Support des Herstellers, regelmäßige Firmware- und Sicherheitsupdates.

      Hilft dir das schon etwas weiter? :)

  6. Vielen Dank für die Antwort !

    Also den PC mal Lan an den Kabelrouter im Bridge-Mode hängen ? Ok werd ich sobald ich dort bin mal testen.

    Also ich habe da einen neuen Wlan-Router im Auge den mein Bekannter wahrscheinlich kaufen wird, der dürfte dann schon etwas besser sein, grade was Support und aktuelle Firmware angeht, die Fritzbox 4040.
    Was meinst du, die dürfte geeigent sein oder ?

    https://avm.de/produkte/fritzbox/fritzbox-4040/technische-daten/

    Muß ich da beim Einrichten gewisse Dinge beachten ? Oder kann ich da auch einfach die Quick-Installation durchgehen, falls es die da gibt ?

    Ja ! Hat mir schon ein Stück weitergeholfen, vielen Dank nochmal !

    1. Genau, den PC per Kabel an das Kabelmodem im Bridge-Modus anschließen und dann schauen, wie schnell das Ganze ist.

      Ich hab selbst eine Fritzbox an einem Anschluss im Einsatz und bin zufrieden damit. Die 4040 kenne ich nicht – wenn sie per DHCP eine Adresse vom Kabelmodem beziehen kann, sollte sie funktionieren.
      Die Einrichtung dürfte so ablaufen: https://avm.de/service/fritzbox/fritzbox-7113/wissensdatenbank/publication/show/16_FRITZ-Box-fur-Betrieb-am-Kabelanschluss-einrichten/

      Welche Geschwindigkeit unterstützt wird, das kann ich dir aber nicht sagen, da solltest du im Zweifel mal beim Hersteller anfragen. :-)

  7. Hallo,
    vielen Dank für die tollen Blogbeiträge; haben mir schon sehr weitergeholfen.
    Haben Sie den o.g. Blogbeitrag für “IPv6 unter RouterOS” schon geschrieben?

    Viele Grüße aus Lippe
    Matthias

    1. Danke für die netten Worte! :)
      Leider hab ich den Blogbeitrag noch nicht angefangen – ich hab Dokumentation, muss die aber in eine Form bringen, die man vorzeigen kann. Aktuell weiß ich leider nicht, wann ich dazu komme. :(

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