Erste Schritte mit dem LEDE Project

Ein erster Test des LEDE Project, einer auf OpenWRT basierenden freien Firmware für Router

Gestern habe ich meinen privaten Router und den Access Point von OpenWRT auf das LEDE Project aktualisiert – hier meine ersten Eindrücke.

Vor knapp einem Jahr wurde das LEDE Project angekündigt, eine auf OpenWRT basierende freie Firmware für Router. OpenWRT selbst wurde schon seit einiger Zeit nicht mehr in einer neuen Stable-Version veröffentlicht, was zwar der Stabilität im Betrieb keinerlei Abbruch tut – trotzdem war ich neugierig auf das neue Projekt und habe mich gestern ans Update meiner Systeme gewagt, die Veröffentlichung der stabilen Version 17.01.0 war ein willkommener Anlass dazu.

Grundlegendes

Die grundsätzlichen Erläuterungen aus dem Vortrag und dem Einführungsartikel zu OpenWRT scheinen auch auf das LEDE Project zuzutreffen – die Warnhinweise gelten entsprechend. Auch hier gilt: Wer nicht weiß, was er tut, kann sich seine Hardware schnell „kaputtflashen“. Bitte unbedingt die entsprechenden Hinweise im verlinkten OpenWRT-Artikel durchlesen!

Das richtige Image finden

Das Update von OpenWRT gestaltet sich dabei zumindest bei meinem Router ziemlich einfach und ist vergleichbar mit der Aktualisierung einer OpenWRT-Version auf eine neue.

In der Hardware-Liste sind alle derzeit vom LEDE Project unterstützten Geräte gelistet. Dort verweist ein Link auf das Download-Repository für die aktuelle Version, in dem sich die nach Chipsätzen sortierten Images befinden. Die Nomenklatur ist dabei mit OpenWRT vergleichbar.

Zum Update einer bestehenden OpenWRT-Installation auf das LEDE Project eignen sich die Dateien mit „sysupgrade“ im Namen, also beispielsweise lede-17.01.0-r3205-59508e3-ar71xx-generic-tl-wdr4300-v1-squashfs-sysupgrade.bin.

Das eigentliche Update

Die Installation erfolgt dabei über die gewohnte OpenWRT-Weboberfläche unter dem Punkt System | Backup/Firmware Update. Über die Schaltfläche Durchsuchen… wird die Imagedatei angegeben, mittels Firmware aktualisieren… erfolgt, nach kurzer Sicherheitsabfrage, die eigentliche Installation. Diese dauert einige Minuten.

Das LEDE Project aus OpenWRT heraus installieren
Das LEDE Project aus OpenWRT heraus installieren

Die Option Konfiguration behalten konnte ich in meinem Fall problemlos aktivieren, sämtliche Einstellungen wurden dabei auch zuverlässig übernommen.

Pakete nachinstallieren

Für die Pakete hat sich im Vergleich zu OpenWRT augenscheinlich wenig geändert. Nach der Installation sollten zunächst alle vorhandenen Pakete aktualisiert werden, beispielsweise mit

opkg update
opkg list-upgradable | awk {'print $1'} | xargs opkg upgrade

Wie bei OpenWRT-Updates üblich, werden nicht zum Basissystem gehörende Pakete auch nicht automatisch mitinstalliert, sondern müssen händisch nachgerüstet und wieder gestartet werden. In meinem Fall war das exemplarisch mit folgenden Befehlen erledigt:

opkg install nano luci-i18n-base-de luci-i18n-firewall-de ca-certificates wget luci-app-ddns luci-i18n-ddns-de haveged
/etc/init.d/haveged enable
/etc/init.d/haveged start

Alles wie gehabt?

Danach funktionierten Router und Access Point wie gehabt, sowohl die Weboberfläche als auch die Konfiguration waren vorhanden. Viele Neuerungen fallen auf den ersten Blick zu OpenWRT noch nicht auf. Manche Menüpunkte sind anders benannt – beispielsweise „WLAN“ statt „Drahtlos“ – und einige zusätzliche Informationen werden angezeigt, unter anderem nochmal explizit das vom Provider zugewiesene IPv6-Präfix. Lediglich der Hinweis auf das LEDE Project am Ende jeder seite samt Versionsnummer zeigt an, dass es sich um ein aktuelleres System handelt – dem geübten Blick fällt zudem auch die neue Kernel-Version auf.

Positiv ist dass durch das neuere Basissystem naturgemäß neuere Treiber installiert sind und beispielsweise auf meinem konkreten Router-Modell das 5 GHz-Band jetzt völlig problemlos funktioniert (zumindest solange, bis die nächsten EU-Regularien zuschlagen, aber das ist ein anderes Thema…).

Ich bin gespannt, wie sich OpenWRT und das LEDE Project entwickeln – die Stabilität aller mir bekannten Installationen ist hervorragend und nicht zuletzt mit Blick auf die aktuelle Gesetzgebung bleibt zu hoffen, dass wir noch viele Jahre in den Genuss freier Software am Router kommen dürfen.

Florian Effenberger

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 13 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

12 Gedanken zu „Erste Schritte mit dem LEDE Project“

  1. Glaub ich werde meine ersten Gehversuche wohl hiermit anstatt mit OpenWRT machen und hoffe, dass dann wie in den Anfangszeiten Infos zu OpenOffice auch für LibreOffice galten hier auch Infos zu OpenWRT weiter helfen.

    1. Eine Frage habe ich noch: Verstehe ich das richtig, dass ich CUPS installieren könnte um dann an den USB-Anschluss einen Brother-Drucker (kein Netzwerkdrucker) anzuschließen, um diesen im Netzwerk verfügbar zu machen?

  2. Verstehe ich deinen Beitrag zu OpenWRT und diesen hier richtig dahingehend, dass man über SSH/Konsole mehr machen kann als über die grafische Oberfläche?

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