Mit der FRITZ!Box von ISDN auf den IP-basierten Anschluss umstellen

Was du als Besitzer einer FRITZ!Box tun musst, wenn du auf Voice over IP umgestellt wirst

Viele Haushalte erhalten dieser Tage Post der Telekom, die ihr ISDN-Netz bis zum Ende des Jahres 2018 abschalten möchte. Auch bei mir war neulich der Tag der Umstellung auf den so genannten IP-basierten Anschluss – wie man das Ganze als Nutzer einer AVM FRITZ!Box ganz einfach bewerkstelligt, das erkläre ich in diesem Blogbeitrag.

Die Ausgangssituation war ein “klassischer” ISDN-Anschluss mit fünf Rufnummern, die sowohl für die DECT-Telefone, den integrierten Faxdienst als auch ein analoges Endgerät genutzt werden.

Allgemeine Informationen zum Thema “ISDN-Abschaltung” habe ich bereits vor einiger Zeit gebloggt. Heute geht es darum, was konkret zu tun ist, wenn der Tag der Umstellung ansteht.

Zeitfenster planen

Da ich bereits wusste, welcher Tarif in Frage kommt, habe ich die Umstellung direkt online durchgeführt, statt die Hotline zu bemühen. Das spart Zeit, gibt einem gleich schriftlich, was bestellt wurde – und in meinem Fall gab’s noch eine Gutschrift in Höhe von 60 € obendrauf. Da ich die bestehende FRITZ!Box weiterverwenden wollte, habe ich explizit keine Hardware dazu bestellt. Auch Änderungen an den Rufnummern und dem Telefonbucheintrag wurden nicht in Auftrag gegeben. Hinterlegt habe ich neben der Mailadresse zur Sicherheit auch eine Handynummer, damit ich am Umstellungstag für die Telekom erreichbar bin – praktischerweise gab’s dann auch Statusmeldungen per SMS dazu.

Auch wenn das Anschreiben der Telekom bereits Anfang März ankam, konnte ich online den gewünschten Umstellungstermin auf Ende Mai legen – da an diesem Tag das Telefon u.U. eine Zeit lang nicht funktioniert und kleinere Arbeiten zuhause nötig sind, suchte ich mir bewusst einen Tag heraus, an dem ich nicht unterwegs bin.

Hardware zusammenstellen

Sofern eigene Hardware genutzt wird, sollte darauf geachtet werden, dass im Vorfeld alles vorhanden ist, was zur Umstellung benötigt wird – insbesondere dass der eingesetzte Router VDSL via Vectoring unterstützt, was bei allen neueren FRITZ!Boxen der Fall ist.

Die Box selbst wird mit einem Y-Kabel geliefert, dessen Verwendung in der beigelegten Anleitung genauer erläutert wird. In meinem Fall führte ein Kabelende zur Box selbst, der Y-Strang mit den zwei Steckern führte einmal in den NTBA und einmal in den Splitter. In der Verpackung enthalten, aber bis zur Umstellung nicht genutzt, ist zudem ein grauer TAE-Stecker mit der Aufschrift “DSL”, der zur Umstellung bereit liegen sollte – man sollte ihn also rechtzeitig suchen.

Mehr ist in der Regel nicht erforderlich. Ich empfehle, die Vollständigkeit der Hardware ein paar Tage vorher zu überprüfen, um ggf. rechtzeitig Ersatz beschaffen zu können.

Zugangsdaten heraussuchen

Es kann ebenfalls nicht schaden, rechtzeitig vor dem Umstellungstag die eigenen Zugangsdaten für die DSL-Einwahl sowie für den Login ins Kundencenter herauszusuchen. Diese werden zwar nicht zwingend benötigt – in der Regel will man den neuen Anschluss aber konfigurieren, dann ist das Kundencenter unumgänglich. Die Einwahldaten sind hilfreich, sofern man den Router unerwartet zurücksetzen muss, was in meinem Fall jedoch nicht erforderlich war.

Ist das Passwort nicht mehr vorhanden, so gibt die Telekom erfahrungsgemäß relativ unkompliziert neue Zugangsdaten heraus, aber auch das sollte man idealerweise vor dem Umstellungstag erledigen.

Software updaten

Sofern noch nicht geschehen, sollte die Firmware der FRITZ!Box vor der Umstellung auf den aktuellen Stand gebracht werden. Das geht ganz einfach in der Benutzeroberfläche (http://fritz.box) unter System | Update | Neues FRITZ!OS suchen und erfordert in der Regel einen Neustart.

Sicherung erstellen

Ratsam ist auch, eine Sicherung der aktuellen Einstellungen vorzunehmen. Falls bei der späteren Konfiguration etwas schief geht, kommt man so auf den Ursprungszustand zurück. Eine Sicherungskopie lässt sich einfach in der Benutzeroberfläche unter System | Sicherung anlegen und lokal am PC speichern.

Die eigentliche Umstellung

Den Tag der Umstellung kündigt die Telekom per Auftragsbestätigung an, zudem gab es in meinem Fall noch eine E-Mail und eine SMS. Die eigentliche Umstellung bemerkt man daran, dass auf einmal weder Telefon noch Internet funktionieren. Bei mir erfolgte der Wechsel zur Mittagszeit, eine feste Regel scheint es jedoch nicht zu geben.

Jetzt muss neu verkabelt werden: Bei einem klassischen ISDN-Anschluss gibt es in der Regel eine Abschlussdose, in die ein Telefonkabel mit TAE-Stecker führt. Dieses Kabel mündet in den Splitter. Aus diesem Splitter heraus gehen zwei Kabel, eines zum NTBA/Netzabschlussgerät und ein anderes zum Router/DSL-Modem. Splitter und NTBA/Netzabschlussgerät entfallen ab der Umstellung auf den IP-basierten Anschluss vollständig.

Daher muss Folgendes gemacht werden:

  • Splitter und NTBA werden abgesteckt und ggf. stromlos gemacht, sie können später vollständig abmontiert werden
  • das TAE-Kabel wird aus der Abschlussdose entfernt
  • das Y-Kabel verbleibt in der FRITZ!Box wie bisher
  • der schwarze Strang der Y-Seite wird nirgends mehr eingesteckt
  • auf den grauen Strang der Y-Seite wird der graue TAE-Stecker mit der Aufschrift “DSL” gesteckt
  • dieser TAE-Stecker wird nun in die Telefon-Abschlussdose in Position “F” (meist in er Mitte) gesteckt

Anschließend empfehle ich, die FRITZ!Box sicherheitshalber neu zu starten. Nach kurzer Zeit sollte sie wieder online kommen und die Verbindung anzeigen.

Es hat geklappt! Die Verbindung ist nun per VDSL hergestellt
Es hat geklappt! Die Verbindung ist nun per VDSL hergestellt

Dass alles geklappt hat, erkennt man unter anderem daran, dass jetzt auch eine IPv6-Adresse zugewiesen und ein höherer Downstream (beispielsweise 50 oder 100 Mbit/s statt bisher 16 Mbit/s) angezeigt wird. In der Regel wird auch ein neuer Breitband-POP angezeigt, was jedoch nur im Ereignisprotokoll sichtbar ist.

Ausgehende Telefonie freischalten

Der Internetzugriff sollte bereits funktionieren, jedoch sind die Telefonnummern zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eingerichtet, d.h. ein- und ausgehende Telefonate werden noch nicht funktionieren. Die FRITZ!Box enthält zu diesem Zweck einen integrierten Assistenten, den AVM in der Wissensdatenbank dokumentiert hat. Einfach der Anleitung Schritt für Schritt folgen und die Telefonnummern sollten korrekt umgestellt werden.

Ein integrierter Assistent erleichtert die Umstellung
Ein integrierter Assistent erleichtert die Umstellung

Überprüfen der Einstellungen

In meinem Fall hat die Zuordnung der Telefonnummern zu den Endgeräten leider nicht automatisch funktioniert. Ich vermute allerdings, dass dies kein generelles Problem der FRITZ!Box ist, sondern eine fehlerhafte Einstellung meinerseits (die MSNs waren mit Ortsvorwahl genannt statt ohne).

In jedem Fall schadet es nicht, einen Blick in die Weboberfläche unter Telefonie | Telefoniegeräte zu werfen und die Rufnummern ggf. neu zuzuweisen. Auch eventuell vergebene Bezeichnungen für die Nummern sollten unter Telefonie | Eigene Rufnummern überprüft und bei Bedarf neu eingetragen werden.

Alle anderen Einstellungen wurden bei mir automatisch beibehalten.

Eingehende Telefonie freischalten

Ausgehende Telefonate sollten jetzt möglich sein, eingehende Anrufe werden aber noch nicht funktionieren. Die Telekom empfiehlt, die kostenfreie Rufnummer 0800 5510033 anzurufen, andernfalls werden eingehende Anrufe wohl bis 21 Uhr des aktuellen Tages freigeschaltet.

In meinem Fall erhielt ich durch die automatische Ansage die Information, dass Anrufe innerhalb von 30 Minuten wieder funktionieren sollten. Etwas verwirrend: Zwischenzeitlich erhielten Anrufer die Ansage, der Anschluss sei vorübergehend nicht erreichbar, teils ertönte auch nur ein Besetztzeichen, vom Handy aus erhielten Anrufer die durchaus verwirrende Ansage, die Rufnummer sei gar nicht bekannt.

In meinem Fall waren die 30 Minuten jedoch durchaus etwas optimistisch, denn es dauerte insgesamt knapp vier Stunden, bis eingehende Telefonate wieder funktionierten. Die Telekom hat dies jedoch auch per SMS angekündigt und darum gebeten, die Hotline anzurufen, falls die Umstellung nicht bis 21 Uhr erfolgt ist. Es ist also etwas Geduld gefragt.

HD-Telefonie aktivieren

Mit dem IP-basierten Anschluss erhält man gleichzeitig die so genannte HD-Telefonie, d.h. eine bessere Sprachqualität beim Telefonieren. Es lohnt sich, einen Blick unter DECT | Schnurlostelefone | Merkmale des Telefoniegeräts zu werfen, und HD-Telefonie auf automatisch zu stellen.

Sprachbox deaktivieren

Mit der Umstellung auf den IP-basierten Anschluss wird zudem automatisch die Sprachbox aktiviert, man hat also ab sofort einen Anrufbeantworter im Netz der Telekom. Wer das nicht möchte, oder den in der FRITZ!Box deaktivierten Anrufbeantworter bevorzugt, sollte die Sprachbox daher deaktivieren. Das geht entweder im Kundencenter (https://www.telekom.de/kundencenter/), oder aber telefonisch unter 0800 33 02424 mit Auswahl der Option 4.

Die Deaktivierung im Kundencenter ist gerade bei der Nutzung mehrerer Telefonnummern komfortabler, steht u.U. aber erst später zur Verfügung – per Telefon geht es sofort.

Einstellungen im Kundencenter

Weitere Einstellungen zum Anschluss können im Kundencenter vorgenommen werden. In meinem Fall wurde der neue Tarif, und somit die neuen Optionen, jedoch erst einige Stunden nach der eigentlichen Umstellung angezeigt.

Florian Effenberger

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 14 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

Schreibe einen Kommentar