Rückblick aufs LibreOffice Community-Treffen

Ein Rückblick auf das erste LibreOffice Community-Treffen des Jahres 2017, diesmal in Berlin

Das LibreOffice-Projekt ist zwar rund um den Globus verteilt, doch was gibt es Schöneres (und Wichtigeres!), als sich auch mal von Angesicht zu Angesicht zu treffen, um die Ereignisse der vergangenen Monate Revue passieren zu lassen und Pläne für die Zukunft zu schmieden? Die modernen Medien ermöglichen zwar Videokonferenzen über alle Kontinente hinweg, doch der persönliche Kontakt ist einfach durch nichts zu ersetzen.

Genau das haben wir vor anderthalb Wochen getan: Beim ersten deutschsprachigen Community-Treffen dieses Jahres in Berlin.

Zu Gast waren wir bei Endocode in Berlin-Mitte, die uns in ihrem Büro nicht nur mit Internet und Strom, sondern auch mit Getränken und Pizza versorgt haben – an dieser Stelle erst einmal ein ganz herzliches Dankeschön an Lisa und Mirko für die Einladung und eure Gastfreundschaft!

Nach einer spannenden Anreise, die uns aufgrund von Stau mal wieder quer durch kleine Dörfer auf halber Strecke nach Berlin geführt hat, ging’s am Freitagabend mit einem Besuch im Biergarten los – schon praktisch, wenn die Gastgeberin auch aus Bayern kommt und weiß, mit was man mich locken kann. 😉 Bei schönstem Wetter ließen wir uns also mit alten und neuen Freunden das Bier schmecken und konnten den lauen Sommerabend genießen. Berlin ist ja ohnehin immer eine Reise wert und mit guten Freunden macht’s gleich doppelt so viel Spaß!

Die Community beim Ausklang eines arbeitsreichen Tages
Die Community beim Ausklang eines arbeitsreichen Tages

Am nächsten Tag ging’s dann direkt ans Eingemachte – auf der Agenda stand neben der Gewinnung neuer Community-Mitglieder auch die Vorstellung von LibreOffice Online, der Version der freien Office-Suite, die direkt im Browser läuft.

LibreOffice läuft übrigens auch im Browser
LibreOffice läuft übrigens auch im Browser

Beim Community-Thema stellten wir schnell fest, dass eine ganze Vielfalt an Fragestellungen auftaucht, die sich gar nicht in einem Wochenende beantworten lassen: Welche Veranstaltungen lohnen sich, und auf welche können wir eher verzichten? Wie geht man am besten an den Bildungsbereich heran, um Schüler und Lehrer für freie Software zu begeistern? Und welche Schnittstellen und Entscheidungswege gibt es eigentlich in einem Open-Source-Projekt samt Stiftung?

Bei uns ist 'ne ganze Menge los...
Bei uns ist ‘ne ganze Menge los…

Mit diesen und anderen Fragestellungen im Gepäck bildeten sich schnell verschiedene Arbeitsgruppen, die die Essenz dieser Themen herausarbeiteten. Dank Teilnehmern von anderen Open-Source-Projekten wie Wikipedia stellten wir zudem schnell fest, dass die Fragen und Probleme sich häufig überschneiden und gar nicht so sehr vom konkreten Projekt, dessen Größe oder der Finanzierung abhängt, wie man vielleicht denken mag. Geteiltes Leid ist halbes Leid und man muss das Rad auch nicht ständig neu erfinden – so stand dann schnell fest, dass wir künftig die projektübergreifende Zusammenarbeit noch verstärken sollten, um uns mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus anderen Organisationen regelmäßig auszutauschen, denn ein Patentrezept zur Lösung hatte niemand im Gepäck.

Ein Ansatz ist mit Sicherheit, die Mitmachseiten noch zu verbessern und zu vereinfachen, um interessierte Neulinge leichter an die Hand zu nehmen. In eine ähnliche Richtung geht auch die Überlegung, dass wir die internen Tools des Projekts wie Wiki, Dateiablage, Kalender und dergleichen mehr verbessern müssen – für die alten Hasen sind diese zwar verständlich, können gerade für Neulinge jedoch zu einer großen Hürde werden, wenn nicht so recht klar ist, wohin genau beispielsweise Bildungsmaterialien gepackt werden sollen.

Schon auf den Weg gebracht ist eine Umfrage zu LibreOffice, die wir zum einen intern als Referenz benutzen möchten, zum anderen ähnlich anderer bekannter Surveys der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen – durch unsere internationale Community können die Fragen übersetzt und dann an verschiedenen Stellen gestellt werden, beispielsweise nach dem Download.

Festgestellt haben wir ebenfalls, dass im deutschsprachigen Projekt zwar viele Personen aktiv sind und wir auch regelmäßig viele Menschen auf den Community-Wochenenden treffen, die dauerhafte Vernetzung und gemeinsamte Koordination aber ausbaufähig ist. Das ist nicht nur bei uns in Deutschland ein Thema, auch international gibt es unglaublich aktive Communities, beispielsweise in Japan, von denen wir eigentlich viel zu wenig wissen – das sollten wir ändern. Ein Problem dabei ist, dass viele der Aktiven mittlerweile stark im internationalen Projekt gebunden sind und viele bereits zahlreiche Aufgaben und Verpflichtungen haben, die unter einen Hut zu bringen sind. Auch mein Arbeitsalltag dreht sich um viele andere Themen, die nur etwas Luft lassen – doch das geht letztlich jedem so.

Gerade im Hinblick auf die Möglichkeit, bei regelmäßig geleisteten Arbeitsbeiträgen kostenlos Mitglied im Kuratorium der Stiftung zu werden und somit beispielsweise auch bei den in diesem Herbst anstehenden Vorstandswahlen mitwirken und die künftige Strategie mitbestimmen zu können, wollen wir diese Möglichkeiten in Zukunft noch deutlich stärker bewerben – der meritokratische Ansatz ist ja eine der Errungenschaften unserer Satzung schlechthin und ich würde mich freuen, wenn wir auch weiter mit dem ein oder anderen Vertreter der deutschsprachigen Community mit an Bo(a)rd wären.

Ein Thema, das Ansporn sein könnte, ist die Möglichkeit, LibreOffice auch im Browser zum gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten zu nutzen – dem zweiten Teil unserer Agenda. Hier kann ich selbst gar nicht so sehr ins Detail gehen, bin mir aber sicher, dass das in den Blogpostings meiner technisch versierten Kollegen noch tiefgehender abgedeckt wird. Spannend zu sehen war das Ganze allemal. Die Installation ist zwar (noch) nicht trivial, benötigt es doch neben der Online-Instanz auch eine Anbindung an Datei- und Benutzerverwaltung, doch ist alles einmal installiert, lässt sich im Browser durchaus angenehm damit arbeiten. Ich bin sehr gespannt, wie die Entwicklung hier weitergeht – mittelfristig wird die Cloud-Variante meiner Meinung nach die Desktop-Version hervorragend ergänzen.

Was hab’ ich abgesehen von einem interessanten Einblick in LibreOffice Online aus dem Wochenende für mich persönlich sonst noch mitgenommen? Neben einer guten Zeit mit vielen guten Freunden auch eine ganze Menge für den Arbeitsalltag: In Zukunft wollen wir wieder verstärkt lokale Veranstaltungen organisieren – jeder an den Orten und zu den Themen, die er am besten beherrscht, konkret standen beispielsweise Schulen in NRW zur Diskussion. Ich kann mir gut vorstellen, demnächst etwas im Allgäu oder in München zu organisieren, oder vielleicht ja sogar in Kaufbeuren, meiner Heimatstadt? Über lokale Mitstreiter freu ich mich immer!

Im September beginnt hier in Bayern ein neues Schuljahr, die Vorlesungen an den Unis starten im Oktober – genug Zeit also, um den Sommer über Ideen zu schmieden und diese dann umzusetzen…

Mir hat’s großen Spaß gemacht, ich fand das Treffen sehr konstruktiv und ergiebig und ich freu mich auf ein Wiedersehen beim nächsten Community-Treffen, das wir künftig zwei Mal im Jahr abhalten wollen, jeweils an wechselnden Orten.

Vielen herzlichen Dank nochmal an das Team von Endocode, insbesondere Lisa und Mirko, für die herzliche Einladung und die Gastfreundschaft – es war toll bei euch! Herzlichen Dank auch an alle, die den teils weiten Weg nach Berlin auf sich genommen haben, um sich zu treffen, auszutauschen und ihren Beitrag für die Community zu leisten – nur durch Leute wie euch, die sich einbringen und engagieren, ist LibreOffice zu dem geworden, was es heute ist und es freut mich sehr, so viele engagierte und motivierte Leute zu meinen Freunden und Kollegen zählen zu dürfen. Ich freu mich aufs nächste Mal!

Florian Effenberger

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 13 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

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