IPv6 mit OpenWRT am Telekom-Anschluss nutzen

Wie du IPv6 mit OpenWRT am Telekom-Anschluss nutzt

Gestern hatte ich Gelegenheit, OpenWRT an einem Telekom-Anschluss einzurichten. Die grundlegende Installation war schnell erledigt, doch IPv6 wollte partout nicht funktionieren – der Router hat einfach kein Subnetz zugewiesen bekommen.

Die eigentliche Installation von OpenWRT habe ich in einem früheren Artikel schon beschrieben. Als Modem setze ich auf das DrayTek Vigor 130, das als Bridge funktioniert und zudem das VLAN-Tagging auf ID 7 erledigt.

Adressvielfalt

An meinem privaten Kabelanschluss erhält OpenWRT automatisch das IPv6-Subnetz zur Verteilung auf die lokalen Geräte vom Kabelmodem, doch am Telekom-Anschluss wollte das einfach nicht funktionieren. Es handelt sich zwar um einen Business-Anschluss mit statischen Adressen, ich vermute aber, dass das grundlegende Prozedere bei Privatkunden-Anschlüssen identisch ist.

Die Telekom gibt für Business-Anschlüsse insgesamt zwei statische Netze im Kundencenter bekannt – einmal die öffentliche IPv6-Adresse für den Router selbst (/64), und einmal das geroutete Subnetz (/56) zur Verteilung auf die lokalen Clients. Die händische Zuteilung der statischen Adressen scheiterte am Default-Gateway, das ich auf die Schnelle nicht herausfinden konnte, aber auch die automatische Zuteilung wollte nicht so recht klappen. Ein manuelles Editieren der Konfigurationsdateien per SSH brachten mich schließlich ans Ziel.

Die Konfiguration

Die nötigen Einstellungen gehören dabei allesamt in die Datei /etc/config/network. Im Folgenden zeige ich nur die jeweils relevanten Teile – meist sind in der Datei noch viele andere Direktiven gesetzt, die nicht geändert werden sollten, beispielsweise Einwahldaten oder statische IPv4-Adressen. Am besten entfernst du alle Zeilen mit “ip6” und “ipv6” und lässt den Rest intakt.

Zunächst weist du das LAN-Interface an, automatisch /64er-Blöcke an die lokalen Clients zu verteilen:

config interface 'lan'
        option ip6assign '64'

Dann aktivierst du das Aushandeln von IPv6-Parametern beim PPPoE-Verbindungsaufbau:

config interface 'wan'
        option ipv6 '1'

Der eigentliche Clou spielt sich (vermutlich) beim WAN6-Interface ab. Dieses weist du an, Adressen per DHCPv6 vom Interface @wan zu beziehen – im Webinterface lässt sich das so nicht auswählen, standardmäßig ist dort eth0.2 gesetzt. Einige Foren vermeldeten mit dem händischen Überschreiben auf das WAN-Interface Erfolg und auch bei mir scheint es geholfen zu haben:

config interface 'wan6'
        option ifname '@wan'
        option proto 'dhcpv6'
        option reqaddress 'none'
        option reqprefix 'auto'

Und los!

Das war’s auch schon! Im Anschluss speicherst du die Konfiguration und aktivierst sie mittels

uci commit network

Damit die neuen Optionen auch greifen, bootest du den Router einfach neu oder startest das Netzwerk mit

/etc/init.d/network restart

erneut. Kurze Zeit später sollten sowohl das LAN-Interface als auch die beiden WAN-Interfaces über IPv6-Adressen verfügen:

OpenWRT mit IPv6
OpenWRT mit IPv6

Abschließender Hinweis

So 100%ig sicher bin ich mir nicht, ob Obiges schon der Weisheit letzter Schluss ist. Es funktioniert, ich habe sowohl am Router als auch an den Clients IPv6 – ob die Konfiguration noch optimiert werden kann, wird sich im Lauf der nächsten Tage zeigen. Ich werde berichten. :-)

Florian Effenberger

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 14 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

13 Gedanken zu „IPv6 mit OpenWRT am Telekom-Anschluss nutzen“

  1. Du hast also einen Telekom Kabelanschluss?
    Der Telekom Support erzählt mir das kein IPv6 möglich sei über den Telekom Kabelanschluss.
    “Telekom Kabel Zuhause Telefonieren und Surfen”

    1. Nein. :-) Ich habe privat einen Kabelanschluss und im Büro einen VDSL-Anschluss. Meines Wissens ist bei allen IP-basierten Produkten der Telekom IPv6 möglich, nur beim “alten” ADSL (z.B. am Analoganschluss oder mit echtem ISDN) nicht.

    1. Das kann ich dir leider nicht mehr sagen – es ist zu lange her… ;-)
      In der damals genutzten OpenWRT-Version, vermutlich 15.05.1, ging es nicht anders. Ich glaube, das Problem hat sich mit den neueren OpenWRT/LEDE-Versionen erledigt.

      1. Es scheint sich tatsächlich mit den neuen OpenWRT Versionen erledigt zu haben (nutze 18.06.1). WAN6 ist ab Werk zwar immernoch drin, allerdings wird option ipv6 ‘auto’ für WAN ebenfalls ab Werk gesetzt. Wenn IPv6 (über WAN) ausgehandelt wird, wird ein virtuelles Interface namens WAN_6 erstellt, der den Job von WAN6 übernimmt.

        WAN6 diente als Alias Interface, um DHCPv6 / RA / PD auszuführen, da WAN bereits im PPPoE Modus läuft und dies dort nicht zur Verfügung steht. Da nun aber WAN_6 automatisch erstellt wird, braucht man WAN6 nicht mehr (mag da Unterschiede geben für Dual-Stack Lite etc.). Ich habs gelöscht und kann alles bzgl. IPv6 machen.

  2. Danke für den Artikel, hat mir auf jeden Fall in meiner Umgebung geholfen!

    Ich nutze auch einen Telekom Anschluss (FTTH, 100Mbit) in Kombination mit einem Cisco/Linksys Router mit OpenWRT (v 18.06)

    1. Eine wirklich feste IPv4-Adresse und ein festes IPv6 /56er-Präfix kannst du bei der Telekom nur im Business-Tarif aktivieren, im Privatenkundentarif bekommst du bei jeder Einwahl eine neue IPv4 und ein neues /56er IPv6-Präfix. Allerdings erfolgt die Zwangstrennung nur noch alle 180 Tage.

      Tunnelbroker wie he.net sind ein guter Workaround, erhöhen aber ggf. die Latenz – und “Happy Eyeballs” kann dazu führen, dass eine IPv4-Verbindung immer bevorzugt wird. Hat also alles Vor- und Nachteile. ;-)

Schreibe einen Kommentar