Wie man Root-Zugriff unter Android 6.0 erhält

Meine ersten Erfahrungen mit dem Root-Prozedere unter Android 6.0

Neulich habe ich über die Installation aktueller Android-Versionen auf Nexus-Geräten geschrieben. Mittlerweile habe ich meine beiden Geräte auf Android 6.0 aktualisiert, und schon erste Erfahrungen mit dem Root-Prozedere sammeln können, die ich gerne weitergeben möchte. Ich habe unten stehende Anleitung auf meinem Nexus 6 (2014) und meinem Nexus 9 mit der Android-Version 6.0.0 (Build MRA58K)  getestet – auf anderen Versionen und anderen Geräten kann die Situation durchaus anders aussehen.

Warnung

Beim Rooten des Geräts kann man einiges falsch machen – im schlimmsten Fall ist am Ende das Handy unbrauchbar und nur noch ein teurer Briefbeschwerer. Du solltest daher nur dann weitermachen, wenn du dir des Risikos bewusst bist und weißt, was du tust! Ab hier geht es ausdrücklich auf eigenes Risiko weiter!

Insbesondere unter Android 6.0 unterliegt der Root-Prozess noch starken Veränderungen, einzelne Benutzer berichten auch von unerwartetem Datenverlust – wer also noch ein Weilchen warten kann, der sollte das tun, denn zwischenzeitlich sind bereits neue Root-Varianten veröffentlicht worden, und ich selbst habe das Prozedere nur mit den oben genannten Geräten und Versionen durchgeführt. In jedem Fall solltest du vorher ein Backup deiner Daten machen!

Voraussetzungen

Du benötigst:

  • die Android Entwickler-Tools (wie im entsprechenden Blogposting beschrieben)
  • das entsprechende Android 6.0 Factory Image (ebendort)
  • das alternative Recovery-System TWRP, um SuperSU zu installieren (hier die Direktlinks für Nexus 6 (2014) und Nexus 9)
  • SuperSU in der aktuellen Betaversion 2.52 oder neuer (gibt es im XDA-Developers-Forum)
  • die modifizierten boot.img-Dateien für deine jeweiligen Geräte (kannst du anhand der Anleitung im XDA-Developers-Forum erstellen)

Rooten

  1. Starte dein Gerät im Fastboot-Modus, wie im entsprechenden Blogposting bereits beschrieben.
  2. Flashe zunächst die modifizierte boot.img-Datei auf dein System. Diese ist im Vergleich zum Original modifiziert, sodass SuperSU trotz der höheren Sicherheitsvorkehrungen von Android 6.0 funktioniert. Ggf. musst du fastboot wieder mit sudo aufrufen.
    fastboot flash boot boot.img
  3. Starte anschließend TWRP, um SuperSU zu flashen.
    1. Beim Nexus 9:
      fastboot boot twrp-2.8.7.0-flounder.img
    2. Beim Nexus 6 (2014):
      fastboot boot twrp-2.8.7.1-shamu.img
  4. Wenn du nach einem Passwort zur Entschlüsselung gefragt wirst, gib die PIN bzw. das Passwort ein, das du zum Entsperren deines Geräts verwendest (nicht zu verwechseln mit der PIN deiner SIM-Karte). Nutzt du ein Entsperrmuster, musst du es auf einen Zahlencode im 3×3-Raster umrechnen – die Suchmaschine deiner Wahl hilft dir weiter.
    1. Auf meinem Nexus 6 (2014) klappte die Entschlüsselung der Datenpartition auch mit Android 6.0.
    2. Auf meinem Nexus 9 hingegen warf TWRP trotz korrektem Passwort nur eine Fehlermeldung. Das ist aber für den eigentlichen Root-Vorgang nicht weiter problematisch.
  5. Gehe nach Advanced | ADB Sideload, wähle Wipe Dalvik Cache und Wipe Cache, und bewege den Knopf, um den Sideload-Vorgang zu starten.
  6. Installiere SuperSU via
    adb sideload BETA-SuperSU-v2.52.zip
  7. Nach einem Neustart des Geräts solltest du nun wieder über root-Rechte verfügen.

Nebenwirkungen

Abgesehen davon, dass ein gerootetes Gerät im Zweifelsfall anfälliger für Schadsoftware ist, werden künftig auch OTA-Updates (Over-the-Air) nicht mehr funktionieren, da diese eine unmodifizierte Systempartition voraussetzen. Das SuperSU-Tool bietet im Menüpunkt Einstellungen | Vollständiges Un-Root zwar die Möglichkeit zur Deinstallation, das hat in meinen Tests aber nicht immer zuverlässig funktioniert.

Du kannst aber einfach das Factory Image flashen, um dein System zu aktualisieren – denke einfach daran, im Anschluss dein Gerät erneut zu rooten.

Florian Effenberger

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 14 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

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