Wie man ein aktuelles Android auf seinem Nexus installiert

Wie man die jeweils aktuelle Version von Android auf sein Nexus-Gerät bekommt, ohne dabei seine Daten und Einstellungen zu verlieren

Ich bin ein bekennender Freund der Nexus-Geräte von Google – ein sauberes Android ohne überflüssige Apps, stets die aktuelle Version, zudem Bootloader und Modem/Baseband direkt downloadbar, und in der Regel zahlreiche Custom-ROMs, die sich über die Fastboot-Schnittstelle mit Standard-Tools aufspielen lassen.

Neue Android-Versionen verteilt Google dabei via OTA (Over-the-Air) in Wellen, d.h. die Geräte erhalten das Update nach und nach. Wer nicht so lange warten möchte, oder wer sein Gerät gerootet hat, der findet so genannte Factory Images oft schon einige Tage vor der Verteilung auf der offiziellen Download-Seite bei Google. Einen Nachteil hat das Ganze jedoch: Folgt man der offiziellen Installationsanleitung, geht dies stets mit einem kompletten Datenverlust einher, denn die Datenpartition wird vollständig gelöscht, das Gerät ist quasi wie frisch ab Werk.

Mit ein paar kleinen Kniffen lässt sich das jedoch abstellen, und du kommst in den Genuss des aktuellen Android, ohne jedes Mal mühsam dein Smartphone neu einrichten zu müssen.

Warnung

Beim Flashen des Geräts kann man einiges falsch machen – im schlimmsten Fall ist am Ende das Handy unbrauchbar und nur noch ein teurer Briefbeschwerer. Du solltest daher nur dann weitermachen, wenn du dir des Risikos bewusst bist und weißt, was du tust! Ab hier geht es ausdrücklich auf eigenes Risiko weiter!

Android-Entwicklertools installieren

Um das Factory Image installieren zu können, benötigst du zuerst die Android-Entwicklertools, im Speziellen die Tools adb und fastboot. Die Art der Installation ist abhängig von deinem System – manche Linux-Distributionen bieten fertige Pakete (unter Debian beispielsweise android-tools-adb und android-tools-fastboot), für andere Systeme stellt Google einen Download zur Verfügung.

Auf meinem Mac musste ich zuerst das Java SDK installieren, und anschließend mit dem Paketmanager unter tools/android die Android SDK Tools und Android SDK Platform-tools installieren.

Bootloader entsperren

Auf jedem neuen Nexus-Gerät, das ich bekomme, entsperre ich zunächst den Bootloader, um auch Custom-ROMs installieren zu können. Ob das für das Flashen des offiziellen Images ebenso nötig ist, vermag ich nicht zu sagen. Um den Bootloader zu entsperren, musst du zunächst die Entwickleroptionen aktivieren:

  1. Dazu gehst du in einem laufenden Android-System auf Menü | Einstellungen | Über und klickst sieben Mal auf Build-Nummer. Hat alles geklappt, zeigt das System an, dass du jetzt “ein Entwickler bist”.
  2. Gehe nun eine Ebene zurück, und klicke unter System die neue Option Entwickleroptionen an. Dort aktivierst du den Punkt OEM-Entsperrung zulassen.

Der Bootloader deines Geräts ist allerdings noch nicht entsperrt, du hast lediglich die Voraussetzung dafür geschaffen. Den eigentlichen Entsperrvorgang erledigst du jetzt im so genannten Fastboot-Modus. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dorthin zu gelangen:

  1. Am einfachsten ist, das Gerät zunächst auszuschalten.
  2. Schalte dann das Gerät wieder ein, indem du gleichzeitig den Power-Schalter und die Lautstärketaste nach unten betätigst.
  3. Auf dem Nexus 6 (2014) bist du dann direkt im Fastboot-Modus. Auf dem Nexus 9 musst du durch einen erneuten Druck auf den Power-Schalter noch explizit den ersten Menüpunkt zum Start des Fastboot-Modus auswählen.

Sobald du im Fastboot-Modus bist, kannst du den Bootloader entsperren. Achtung: Das Entsperren des Bootloaders löscht unweigerlich sämtliche Daten und Einstellungen von deinem Gerät! Du solltest vorher unbedingt ein Backup erstellen und Zeit einplanen, um die Daten anschließend wieder einzuspielen! Allerdings ist diese Entsperrung auch ein einmaliger Vorgang, den du zukünftig nicht mehr wiederholen musst – künftige Updates kommen also ganz ohne Datenverlust aus. Ich selbst entsperre meinen Bootloader immer direkt, nachdem ich das Gerät gekauft habe, denn dann sind noch keine Daten gespeichert, die verloren gehen können. Die eigentliche Entsperrung funktioniert wie folgt:

  1. Auf der Kommandozeile tippst du ein
    fastboot oem unlock
  2. Je nach Gerät musst du den Vorgang nun am Gerät selbst durch Tastendruck bestätigen, oder aber ein zweites Mal
    fastboot oem unlock

    aufrufen.

  3. Funktioniert das auch nicht, benötigst du ggf. root-Rechte. Unter Windows wählst du dazu den entsprechenden Menüpunkt im Kontextmenü, unter unter Linux und OS X tippst du, ggf. wieder zweimal hintereinander, Folgendes ein:
    sudo fastboot oem unlock
  4. Hagt alles geklappt, dauert es eine Weile, und das Gerät startet sich neu. Manche Geräte wie das Nexus 6 (2014) oder der Nexus Player zeigen einen entsperrten Bootloader mit einem geöffneten Schloss beim Gerätestart an, andere wie das Nexus 9 hingegen nicht.

Android herunterladen

Google bietet alle offiziellen Android Factory Images auf einer eigenen Seite zum Download an. Das Heraussuchen der richtigen Datei kann für Neulinge etwas schwierig sein, denn du musst

  • sowohl das richtige Gerät (hast du ein Nexus 7 aus dem Jahr 2012 oder 2013?)
  • als auch die Ausstattung (hast du ein Gerät mit WLAN oder eines mit LTE-Modul?)
  • und zudem die richtige Firmware (einige Versionen sind nur für bestimmte, meist US-amerikanische Anbieter gedacht)

beachten – Fehler hierbei können im schlimmsten Fall zu irreparablen Schäden am Gerät führen!

Die Kunst ist, die richtige Version von Android zu finden
Die Kunst ist, die richtige Version von Android zu finden

Am Beispiel des Nexus 9 sind folgende Schritte notwendig: Ich habe ein Nexus 9, in der Ausstattung mit LTE-Modul, das ich auf die aktuelle Android-Version 5.1.1 bringen möchte. Dazu suche ich auf der oben verlinkten Google-Seite in der Kategorie “volantisg” for Nexus 9 (LTE). Keine der genannten Firmware-Versionen ist mit einem speziellen Provider gekennzeichnet, sodass ich mich für Version 5.1.1 (LMY48T) entscheide. Über den Link rechts neben der Versionsangabe lade ich die Datei auf meinen Computer herunter.

Ein zweites Beispiel für mein Nexus 6 (2014), für das sich folgendes Bild ergibt: Ich suche in der Kategorie “shamu” for Nexus 6 und sehe, dass die letzte Version Android 5.1.1 (LMY48W) ist. Einige Versionen sind ausdrücklich nur für For Project Fi ONLY oder For T-Mobile ONLY gekennzeichnet. Wer Telekom-Kunde ist sollte aber wissen, dass die Providerkennzeichnung in der Regel den US-amerikanischen Diensteanbieter bezeichnet. Für den deutschsprachigen Markt nehme ich daher die Version 5.1.1 (LMY48W).

Image entpacken

In einem zweiten Schritt entpackst du nun die heruntergeladene Datei, im Beispiel also volantisg-lmy48t-factory-bf0fe81b.tgz:

  1. Im Ordner volantisg-lmy48t befinden sich einige Dateien, sowie ein weiteres ZIP-Archiv namens image-volantisg-lmy48t.zip.
  2. Entpacke zunächst dieses ZIP-Archiv in den Unterordner image-volantisg-lmy48t.
  3. Das ZIP-Archiv selbst kannst du anschließend löschen.
  4. Ebenfalls löschen kannst du flash-all.bat, flash-all.sh und flash-base.sh. Rufe die Dateien keinesfalls auf – ansonsten wird dein Gerät ohne weitere Rückfrage automatisch aktualisiert und dabei werden alle Daten gelöscht!
  5. Lösche in einem nächsten Schritt im Unterordner image-volantisg-lmy48t die Datei android-info.txt.
  6. Das Löschen der Dateien hilft dir dabei, den Überblick zu behalten. Zum Aktualisieren benötigst du nur die Dateien mit der Endung .img, alle anderen Dateien kannst du getrost löschen.
  7. Sofern es eine Datei namens userdata.img gibt, lösche diese bitte ebenfalls, denn du darfst sie nicht einspielen. Tust du es trotzdem, werden deine Daten ohne vorherige Rückfrage vom Telefon gelöscht, denn sie enthält die Benutzerpartition im Ursprungszustand. Genau dieser Schritt, das Weglassen der Datei userdata.img, sorgt dafür, dass deine Daten erhalten bleiben. Bei der Firmware des Nexus 9 konnte ich sie bislang nicht finden, beim Nexus 6 (2014) hingegen schon.

Firmware flashen am Beispiel Nexus 9

Das Flashen der Firmware erledigst du in einigen wenigen Schritten:

  1. Versetze dein Gerät wieder in den Fastboot-Modus (siehe oben).
  2. Schließe es nun per USB an deinen Computer an.
  3. Mithilfe des Tools fastboot schreibst du nun die einzelnen Image-Dateien mit der Endung .img in die jeweilige Partition auf deinem Gerät. Die Syntax dazu lautet (ggf. wieder mit sudo aufrufen):
    fastboot flash Partitionsname Image

    Partitionsname ersetzt du durch die Partition, die sich aus dem Dateinamen ableitet, und Image ist der eigentliche Dateiname. cache.img muss demzufolge in die Partition cache geschrieben werden – das kommt später in der Anleitung, hier daher nur ein Beispiel:

    fastboot flash cache cache.img

    Nochmals die Erinnerung zur Datei userdata.img: diese Datei darfst du nicht flashen! Tust du es trotzdem, werden deine Daten ohne vorherige Rückfrage vom Telefon gelöscht, denn sie enthält die Benutzerpartition im Ursprungszustand. Am besten ist also, du löscht die Datei sofort aus dem Verzeichnis, bevor du mit dem Flashen beginnst. Bei der Firmware des Nexus 9 konnte ich sie bislang nicht finden, beim Nexus 6 (2014) hingegen schon.

  4. Am Beispiel des Nexus 9 mit der oben genannten Firmware ergeben sich folgende Befehle:
    1. fastboot flash bootloader bootloader-flounder_lte-3.44.1.0123.img
    2. fastboot reboot-bootloader
    3. fastboot flash boot boot.img
    4. fastboot flash cache cache.img
    5. fastboot flash recovery recovery.img
    6. fastboot flash system system.img
    7. fastboot flash vendor vendor.img

      Übrigens, die Zeile mit reboot-bootloader sorgt dafür, dass das Gerät nach der Aktualisierung von Bootloader und ggf. Modem kurz neu startet.

  5. Starte nun das Gerät durch die Auswahl des entsprechenden Menüpunkts im Bootloader neu. Der erste Start kann durchaus länger dauern, da die Installation abgeschlossen werden muss.
  6. Wenn das System gestartet hat, verifiziere unter Menü | Einstellungen | Über, dass du die neue Android-Version installiert hast.

Firmware flashen am Beispiel Nexus 6 (2014)

Das Flashen der Firmware erledigst du in einigen wenigen Schritten:

  1. Versetze dein Gerät wieder in den Fastboot-Modus (siehe oben).
  2. Schließe es nun per USB an deinen Computer an.
  3. Mithilfe des Tools fastboot schreibst du nun die einzelnen Image-Dateien mit der Endung .img in die jeweilige Partition auf deinem Gerät. Die Syntax dazu lautet (ggf. wieder mit sudo aufrufen):
    fastboot flash Partitionsname Image

    Partitionsname ersetzt du durch die Partition, die sich aus dem Dateinamen ableitet, und Image ist der eigentliche Dateiname. cache.img muss demzufolge in die Partition cache geschrieben werden – das kommt später in der Anleitung, hier daher nur ein Beispiel:

    fastboot flash cache cache.img

    Nochmals die Erinnerung zur Datei userdata.img: diese Datei darfst du nicht flashen! Tust du es trotzdem, werden deine Daten ohne vorherige Rückfrage vom Telefon gelöscht, denn sie enthält die Benutzerpartition im Ursprungszustand. Am besten ist also, du löscht die Datei sofort aus dem Verzeichnis, bevor du mit dem Flashen beginnst. Bei der Firmware des Nexus 9 konnte ich sie bislang nicht finden, beim Nexus 6 (2014) hingegen schon.

  4. Am Beispiel des Nexus 6 (2014) mit der oben genannten Firmware ergeben sich folgende Befehle:
    1. fastboot flash bootloader bootloader-shamu-moto-apq8084-71.10.img
    2. fastboot flash radio radio-shamu-d4.0-9625-02.101.img
    3. fastboot reboot-bootloader
    4. fastboot flash boot boot.img
    5. fastboot flash cache cache.img
    6. fastboot flash recovery recovery.img
    7. fastboot flash system system.img

      Übrigens, die Zeile mit reboot-bootloader sorgt dafür, dass das Gerät nach der Aktualisierung von Bootloader und ggf. Modem kurz neu startet.

  5. Starte nun das Gerät durch die Auswahl des entsprechenden Menüpunkts im Bootloader neu. Der erste Start kann durchaus länger dauern, da die Installation abgeschlossen werden muss.
  6. Wenn das System gestartet hat, verifiziere unter Menü | Einstellungen | Über, dass du die neue Version von Android installiert hast.

Gerät (wieder) rooten

Wer direkt im Anschluss an das Flashen sein Gerät (wieder) rooten möchte, der kann dies beispielsweise mittels TWRP und SuperSU relativ einfach tun – eine Anleitung dafür werde ich noch in einem separaten Blogposting schreiben.

Geht’s auch einfacher?

Zugegeben, am Anfang wirkt das Prozedere relativ aufwändig, wenn du es aber ein, zwei Mal gemacht hast, dann geht es dir sehr leicht von der Hand. Es gibt noch eine zweite Variante, bei der du lediglich eine der im Archiv enthaltenen .bat/.sh-Dateien bearbeiten und den Parameter -w entfernen musst – da ich aber auch schon von missglückten Versuchen damit gelesen habe, habe ich das selbst noch nicht getestet.

Daneben finden sich im Netz auch so genannte OTA-ZIPs, d.h. ZIP-Archive, die direkt von den Google-Servern heruntergeladen werden, und die du mit dem Standard-Recovery-System deines Geräts einspielen kannst. Diese Variante nutze ich aber ebenfalls nicht, da sie bei gerooteten Geräten nicht funktioniert.

Florian Effenberger

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 14 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

2 Gedanken zu „Wie man ein aktuelles Android auf seinem Nexus installiert“

  1. Hallo, ich bin ein absoluter Anfänger was das rooten betrifft. Trotzdem möchte ich mein Handy rooten. Ich habe ein Elephone P8000 (China) mit Android 6.0. Was benötige ich alles und wie mache ich das dann. Ich war auch schon im Menü vom Hard Reset. Aber wie dann weiter?

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