In die Röhre geschaut

Meine Gedanken zur aktuellen Situation der Fernsehlandschaft, wie sich unsere Medienwelt verändert und warum Streaming auf dem Vormarsch ist

Vor einer Weile habe ich einen Artikel über unsere Fernsehlandschaft gelesen, in dem über die Sorge der klassischen Programmanbieter geschrieben wurde, Streamingdienste könnten ihnen den Rang ablaufen – eine Sorge, die ich an und für sich gar nicht so unbegründet finde. Sicherlich dürften regulatorische Entscheidungen hierbei eine gewisse Rolle spielen, scheinen doch deutsche Fernsehanstalten relativ starken Reglementierungen zu unterliegen. Das eigentliche Problem verkennen die Anbieter meines Erachtens jedoch.

Neue Medien verändern die Fernsehlandschaft

Schon vor einigen Jahren habe ich meinen Unmut über die Zustände im klassischen, heutzutage “linear” genannten Fernsehen kund getan. Sowohl technisch, als auch was mein eigenes Verständnis angeht, hat sich seitdem einiges getan, die Grundproblematik ist aber dieselbe: Streaminganbieter ermöglichen mir für geringes Geld und rein über die Internetverbindung Inhalte zu konsumieren, und das auf dem Endgerät meiner Wahl – teilweise sogar auf mehreren Endgeräten gleichzeitig. Am PC, am Fernseher, auf dem Tablet, relativ einfach kann ich auf Inhalte zugreifen, und das für den Gegenwert eines Mittagessens im Monat. Verpackt ist das Ganze in häufig einfachen und für jedermann verständlichen Paketen, die monatsweise gekündigt werden können – der Internetzugang ist ja meist schon vorhanden. Die Fernsehlandschaft wandelt sich.

Gehört zur Fernsehlandschaft dazu: Das Antennenkabel
Gehört zur Fernsehlandschaft dazu: Das Antennenkabel

Doch wie sieht das Ganze im klassischen TV-Bereich aus? Die ganzen Pakete, Angebote, Optionen und Rabattaktionen durchblicke zumindest ich nicht mehr so wirklich, die Vertragslaufzeiten sind mit häufig einem Jahr deutlich länger als bei vielen Streaming-Anbietern. Zudem ist der Zugang nicht an überall nutzbare Login-Daten, sondern an eine physikalische Smartcard gekoppelt, die immer häufiger nur noch in ganz speziellen, vom Anbieter zertifizierten Endgeräten genutzt werden kann, teils sogar mit fester Bindung auf ein ganz konkretes Gerät. Aufnahmen sind zudem nur unter Restriktionen möglich, zu allem Überfluss wird mitunter regelmäßig die Jugendschutz-PIN abgefragt, auch wenn gar keine Kinder im Haushalt leben. Zu guter Letzt liefern die ersten Streaminganbieter auch schon vereinzelt sehr hochauflösende UHD-Inhalte – ich bin gespannt, wann das auch über die “traditionellen” Übertragungswege verfügbar sein wird. Bereits heute sind ja die regulären HD-Inhalte oftmals nur gegen Aufpreis erhältlich.

Streaming auf dem Vormarsch

Den Anbietern die Schuld alleine in die Schuhe zu schieben wäre jedoch voreilig – denn es sind vermutlich auch die Rechteinhaber, die Restriktionen einfordern, damit ihr Material gesendet werden darf. Letzten Endes wird der Kunde entscheiden, wo und wie er seine Inhalte betrachtet – gerade bei der jüngeren Generation sind nach meiner Einschätzung die Streamingdienste stark auf dem Vormarsch. Zwar bieten auch die klassischen Anbieter mittlerweile Streaming und Video-on-Demand, in meinem Bekanntenkreis nutzen das jedoch nur die wenigsten.

Ein bisschen erinnert mich das Ganze ja an das Thema digitaler Musikdownloads. Auch hier hat es eine ganze Zeit lang gedauert, bis die Anbieter ein in meinen Augen faires und transparentes Angebot aufgelegt haben, das nur noch entfernt an die früher üblichen, DRM-geschützten Inhalte erinnert.

Offene Formate sind Mangelware

Ein ganz großer Haken bei all diesen Diensten soll aber nicht verschwiegen werden, egal ob sie nun Streaming oder Downloads anbieten: Offene und freie Formate, die man auf jedem Endgerät seiner Wahl abspielen kann, sucht man leider oft vergebens. Vermutlich jedoch, das befürchte ich jedenfalls, wird die breite Masse sie aber auch gar nicht nachfragen. Und natürlich hat auch jeder Streaminganbieter ein Interesse daran, die Kunden an sein eigenes Ökosystem zu binden – doch diese Themen schreien geradezu nach einem weiteren Blogposting…

Florian Effenberger

Autor: Florian Effenberger

Florian engagiert sich seit über 14 Jahren für freie Software und ist einer der Gründer der The Document Foundation, der Stiftung hinter LibreOffice

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